Taj Mahal in Agra

Taj Mahal in Agra/Indien - Das Grabmal der Liebe


Gäbe es nicht das Taj Mahal und die anderen großen Bauwerke aus der Zeit der Mongolen, niemand würde nach Agra reisen. Agra ist keine schöne Stadt, nicht anders als in allen anderen Städten Indiens. Doch hier befindet sich eines der bekanntesten und schönsten Bauwerke der Welt. Rund 200 km von der Hauptstadt de entfernt manifestiert sich die Macht der Mongolen auf einzigartige Weise. Architektur, Malerei, Bildhauerei, Musik und eine luxuriöse Lebensweise, so mag es im Agra vor 350 Jahren zugegangen sein. Agra ist auch keine alte Stadt gemessen an anderen Städten des indischen Subkontinents. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begann man mit ihrem Bau. Die Moguln Akbar, Nur Jahan, Jahangir und Shah Jahan sind untrennbar mit dem Namen Agra verbunden. Großmogul Shah Jahan bestieg den Thron 1628. Im vierten Jahr, seiner 30jährigen Regentschaft verstarb seine Frau Mumtaz Mahal. Schon viele Menschen, auch Herrscher, mussten dieses Schicksal teilen, doch Kaiser Shah Jahan war nach 19 Jahren Ehe mit seiner Königin, die ab britisch liebte, untröstlich zumal die offenbar bildschöne Frau im Wochenbett, bei der Geburt ihres 14. Kindes verstorben war.

Shah Jahan hatte den Wunsch seiner verstorbenen Gattin ein "Denkmal der Liebe" errichten zu lassen. Er war kein armer Mann und so gab er den Bau des Taj Mahal in Auftrag. Es sollte, dem Wunsch seiner verstorbenen Frau gemäß, einen "Denkmal von unübertroffener Schönheit in Erinnerung an ihre Liebe" werden. Heute wissen wir, dass dieser Wunsch erfüllt wurde. Mit zahllosen Titeln wie "Perle Indiens", Grabmal der Liebe" oder "Krone der Paläste" wurde die Schönheit des Bauwerks gepriesen und in der Tat sind die Materialien, die hier verwendet wurden von ausgesuchter Schönheit hohem Wert. Wir wissen nicht mehr der Architekt des Taj Mahal gewesen ist, zu vermuten ist aber, dass gleich mehrere Baumeister mit der Planung und Durchführung dieses Großprojekts beschäftigt waren. Viele unterschiedliche Marmorsorten, Halbedelsteine und Edelsteine, die Jade und Kristall, Achat, Saphire, Amethyste, Korallen, Quarze und Diamanten, all das musste herbeigeschafft und aufs feinste gearbeitet werden.

Von 1631 bis 1648 dauerte die Fertigstellung des Taj Mahal, das in einem wunderschönen Garten durchzogen von Wasserläufen liegt. Symmetrie ist hier alles, so wie die Mongolen es liebten das Grabmal steht auf einem Marmorsockel. Auf jeder der Seiten erhebt sich ein Minarett, die ihrerseits mit der perlweisen Kuppel korrespondieren. Über all an den Außenwänden befinden sich Koranverse die in schwarzem Marmor in die Mauer eingelegt sind. Hauchdünn sind die Girlanden und Blumen geschmückten, die zu einem unübersehbaren Farbenmeer rund um das Grabmal beitragen. Die Farben sind umso gesättigter, je mehr der Besucher sich auf das weiß das man muss konzentriert. Dazu kommen noch der oftmals dunkelblaue Himmel und die schiere Größe des Zentralbaus.



Aus der langen Bauzeit ist bekannt, dass rund 20.000 Handwerker aus großen Teilen Asiens mit dem Bau beschäftigt waren. Anders die Stick des Bauwerks lassen sich persische Elemente erkennen. Da liegt nah, dass einige der Architekten aus diesem Kulturkreis gestammt haben. Auf einer rund 100 m großen quadratischen Plattform erhebt sich das Grabmal mit einer Breite von 56 m. Bis zur Kuppel ist es 58 m hoch. Das Taj Mahal sollte man zu unterschiedlichen Tageszeiten suchen, denn der Marmor zeigt dann seine ganze Farbenpracht und vermittelt den Eindruck, dass er lebt. Am frühen Morgen vermischt sich das violette Licht der aufgehenden Sonne mit einem bläulich weißen Schimmer, bevor dieser in eine kräftig gelb-rötliche Bernsteinfarbe übergeht. Während der Mittagsstunden erstrahlt das Taj Mahal dann schneeweiß bevor es am Nachmittag in der untergehenden Sonne in ein Licht getaucht wird, dass den Marmor rosa erscheinen lässt. Selbst nach Sonnenuntergang, wenn der Mond in der Trockenzeit des Nachts klar am Himmel steht schimmert das Taj Mahal, dann in einem unwirklichen Blau.


Schon zu Lebzeiten Shah Jahans war in seinem Reich ein Machtkampf um den Thron entbrannt. Man nutzte die verschwenderische Lebensweise des Kaisers dafür, ihn anzuklagen, Zwietracht im Volk zu sehen und die öffentliche Meinung so zu beeinflussen, dass der Kaiser in einem möglichst schlechten Licht erschien. Schließlich ließ sein Sohn Auranghzeb seinen Vater verhaften und in einem Gefängnis innerhalb des roten Forts bringen. Acht Jahre lang lebte Sha Jahan hier, und betrachtete jeden Tag das Grabmal seiner Mumtaz Mahal. Selbst jetzt, lange nach ihrem Tod, war sie das, was ihr Name aussagt: "Krone des Palastes ". Lediglich seine Tochter Jahanara sorgte für ihren Vater im Gefängnis, der im Alter von 74 Jahren erkrankte und am 22. Januar 1666 starb, ohne sein Gefängnis je wieder verlassen zu haben.

Das Innere des Grabmal des ist relativ dunkel gehalten, vor allem wenn der Besucher von außen aus dem grellen Sonnenlicht eintritt, dauerte seine Zeit lang bis man überhaupt etwas erkennen kann. Dann aber ist ein im Vergleich zum äußeren sehr einfach ausgestalteter Innenraum zu sehen. Lediglich die Stelle an der der Sarkophag von Mumtaz Mahal steht. Die Grabstelle des Kaisers liegt abseits. Auf dem Sarkophag des Kaisers finden sich alle seine Titel. Das Taj Mahal ist ein akustisch außerordentlich interessanter Raum. In kurzen Abständen wird man hier Menschen Töne singen, denn der Nachhall in dem riesigen Kuppelraum dauert mehr als 10 Sekunden und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.



Auf beiden Seiten des Taj Mahal befinden sich Moscheen in der traditionellen Bauweise der Mongolen und in dem häufig verwendeten rötlichen Stein, direkt am Ufer des Flusses Jamuna. Während eines Spaziergangs entlang des zentralen Wasserbeckens kann der Betrachter immer wieder stehen bleiben und sich zum Grabmal hin drehen. Mit zunehmender Entfernung erstrahlt das Taj Mahal blütenweiß und spiegelt sich in den flachen Wasserbetten, flankiert von niedrigen Bäumen und exakt begrenzten grünen Rasenflächen. Es entsteht jenes Postkartenbild, das man weltweit vom Taj Mahal kennt.

Doch dieses Bild ist zunehmend in Gefahr. In unmittelbarer Nähe dieses Meisterwerks waren noch bis vor wenigen Jahren große Industriebetriebe angesiedelt. Diese wurden zum Teil in der letzten Zeit geschlossen, dennoch sind alljährlich und immer stärker die Folgen der Luftverschmutzung am Mausoleum zu sehen. Die Blüten weißer Farbe muss mit immer mehr Aufwand erhalten werden, das Taj Mahal wird immer häufiger für viel Geld gereinigt und dennoch zeigen die empfindlichen Edelsteine und Marmorsorten immer häufiger Schäden. Die indische Regierung hat nun stärkere Maßnahmen zum Schutz des Monuments ergriffen, das zum Weltkulturerbe zählt. So bleibt das Taj Mahal hoffentlich noch recht lange und für viele Generationen das "Grabmal der Liebe" und erinnert an eine längst vergangene Zeit.