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Nessebar
Kleinod mittelalterlicher Baukunst am Schwarzen Meer

Von besonderem Reiz ist es, Bulgariens Hafenstadt Nessebar am Ende der Touristensaison, Mitte Oktober zu besuchen. Auch um diese Zeit ist das Wetter noch beständig, sonnig und tagsüber durchaus angenehm warm. Die großen Besucherströme aber, die man hier alljährlich im Juli und August antreffen kann, fehlen. Die historische Altstadt, in der rund 10.000 Einwohner leben, wurde 1983 in ihrer Gesamtheit zum Weltkulturerbe ernannt. Sie liegt auf einer Halbinsel, die mit dem Festland durch eine 350 m lange schmale Land enger verbunden ist.
Die Stadtgründung Nessebar aus ist uralt. Schon zu Zeiten der Tharker, um 3000 v. Chr., lebten hier Menschen und nannten ihre Stadt Messambria. Etwa 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung kommen die ersten griechischen Siedler dorischer Abstammung an das westliche Ufer des schwarzen Meeres. In dieser Epoche wurde die Stadt größer, es wurden Tempel, Schulen und Theater gegründet. Zum römischen Reich gehörte die Stadt ab 72 v. Chr. Nessebar wird ein wichtiges Handels-und Kulturzentrum der Schwarzmeerküste. Besonders einschneidend sind die Veränderungen die die byzantinische Epoche mit sich bringt, eine Zeit der Hochblüte im fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus. Die ältesten Kirchen und Gebäude stammen aus dieser Zeit. Erstmals gehört die Stadt ab 812 n. Chr. zum bulgarischen Staat. 1396 überfielen die Türken Nessebar, dass 1453 endgültig zum otomanischen Reich gehörte.
Den Rundgang durch die pittoreske Altstadt sollte man am Hafen beginnen. Noch immer liegen hier farbenfroh bemalte Boote vor der Kulisse des alten Nessebar. Das auffälligste Gebäude hier ist das Haus des Kapitän Pawel. Es liegt direkt auf einem Felsen oberhalb des Hafens. In der traditionellen Bauart der so genannten "Schwarzmeerhäuser" wurden die Wohnräume auf einem steinernen Sockel erbaut, der zumeist als Lagerraum diente. Das Haus entstand im 19. Jahrhundert.
Rechter Hand, oberhalb des Hafens, liegt die Kirche St. Johannes A-Liturgetos. Obwohl es sich um eine Ruine handelt, gehört das Gotteshaus zu den schönsten Bauwerken der Stadt. Das Gotteshaus entstand im 14. Jahrhundert. Einer Legende zufolge hatten die Ritter des Herrschers Amedy VI. aus Savoyen das Dach der Kirche kurz vor ihrer Weihe in Brand steckt, so dass in dem damals neu errichteten Gotteshaus nie ein Gottesdienst gehalten wurde auch keine Weihe erfolgte - daher der Name A-Liturgetos - die "Ungeweihte. 1913 fügte ein Erdbeben der Kirche erheblichen Schaden zu, so dass der heutige Zustand als eine Ruine entstand. Die Vielfalt der architektonischen Details ist bemerkenswert und zeigt sich durch Arkaden, steinerne Konsolen, gezahne Ziegel, Kreuze, sondern, Schachfiguren, geflochtene Ornamente und Monogramme, Akantblätter, Grifonen, Löwen und Vögel.
Nur 100 m entfernt liegt die aus dem späten 11 Jahrhundert stammende neue Metropolitankirche Sankt Stephan. Der Fassadenschmuck dieser Kirche ist beeindruckend und war später tonangebend für den typischen Stil der Kirchen von Nessebar platzierte Keramikfiguren unterschiedlicher Farbe, plastische Ornamente und Emailleplatten wurden an der Außenseite der Kirche eingefügt.
Der Innenraum ist vollständig mit Wandmalereien ausgeschmückt - mehr als 1000 Malereien in 258 Gemäldegruppen. Damit ist St. Stephan die einzige Kirche Nessebar aus in der die Wandmalereien der Art gut erhalten sind. Sie stammen aus dem 16. Jahrhundert. Man entdeckte viele interessante Inschriften, gegen die Wände graviert worden waren.
Die Pantokrator-Kirche gilt allgemein als die am besten erhaltene Kirche des Mittelalters in Bulgarien. Der Baubeginn wird in der späten 13. Jahrhundert datiert. Die Vielfalt der architektonischen Elemente ist de facto eine Zusammenfassung aller im Nessebar zu sehenden Stilelemente: unterschiedlich hohe Schiffe, ein Westton, eine achteckige Kuppel als Aufsatz in der Kreuzmitte, Blindbögen und Säulengalerien. Heute ist in dem Gotteshaus eine Kunstgalerie untergebracht.
Nessebar lebt heutzutage fast ausschließlich vom Tourismus. Zahlreiche Cafés und Restaurants sind auf den Ansturm der Gäste in den Sommermonaten vorbereitet, die das mittelalterliche Flair der alten Kirchen und der berühmten Schwarzmeerhäuser, das milde Klima und die Strände des schwarzen Meeres genießen wollen.
Nach schwierigen Zeiten des 16. und 17. Jahrhundert erholten sich die Bürger von Nessebar während des 18. und 19. Jahrhunderts finanziell durch Handel, Fischfang und das Handwerk. Diese Zeit wird heute die bulgarische Renaissance genannt. Die Häuser von Nessebar, die aus dieser Zeit stammen sind Denkmäler der Architektur. Das typische Haus dieser Region ist zweispaltig, mit einem steinernen Erdgeschoss und einem über die Straße hinausragenden erweiterten Erker. Dieser Teil des Hauses ist mit Holzbrettern verkleidet. Der steinerne Unterbau wurde als Lager, zum Trocknen von Fischen und für Reparaturarbeiten genutzt während der obere Teil des Hauses die Wohnräume enthielt. In der Hochblütezeit des Schwarzmeerhauses waren die Innenräume reichhaltig verziert und besaßen bemalte Wände. Noch heute staunt der Besucher über die vielfältigen Details an den Außenfassaden.
Zu den Wahrzeichen Nessebars gehören auch die Windmühlen. Einer davon befindet sich auf der Zugangsstraße zu Halbinsel und hat die Form eines Zylinders. Auch die Innenräume der Mühle waren ähnlich wie die Wohnhäuser aufgeteilt das Erdgeschoss wurde als Lager genutzt, über eine Holztreppe gelangte man in das nächste Stockwerk und dem oberen Teil befanden sich die Wohnräume.
Der Rundgang durch das alte Nessebar führt uns nun entlang der Küste mit herrlichen Ausblicken auf das Schwarze Meer und die Bucht von Nessebar. Hier liegt die so genannte Küstenbasilika die im Volksmund auch "Eleusis", die mitleidige genannt wird. Noch bis ins Mittelalter hinein wurde ihr Gottesdienst gefeiert. Die Wissenschaftler gehen heute davon aus dass es sich um eine Klosterkirche handelt, die der Gottesmutter Euleusis geweiht war. Grabstätten, die man Während archäologische Arbeit nie gefunden hat erweisen auf die Zeit Kaiser Justinians. Die Kirche befindet sich in herrlicher Lage direkt am Ufer des schwarzen Meeres und wird allgemein auf das Jahr 1342 datiert.
Insgesamt gab es im Laufe der Geschichte im Nessebar rund 40 Kirchen und Kapellen, die zusammen mit der einzigartigen Stadtanlage auf der Halbinsel und den typischen Bürgerhäusern von Nessebar noch heute einen unverwechselbaren Eindruck hinterlassen.
Die Stadt ist ein Reiseziel für alle kunstgeschichtlich oder architektonisch interessiert sind - aber auch die Liebhaber historischer Stadtanlagen sollten das bulgarische Kleinod besuchen. Nach einem Besuch Nessebar aus kommt man nicht umhin festzustellen, dass der Ort in den letzten Jahren sehr touristisch geworden ist, die Preise drastisch angestiegen sind und sich in den Sommermonaten so viele Besucher täglich in den engen Gassen befinden, dass man bereits von Massentourismus sprechen kann.
Der Besuch der Kirchen und nahezu aller Sehenswürdigkeiten gestaltet sich problemlos, die Eintrittspreise in die Museumskirchen lagen im Oktober 2008 zwischen 4 und 6 LEV, für Foto-und Videokameras bestand die Möglichkeit ein separates Eintrittsticket zu erwerben und im Inneren der Gebäude zu fotografieren und bei in Anbetracht des Wertes der zahlreichen Gemälde und Fresken auf den Einsatz von Blitzgeräten verzichtet werden sollte.






