Last Minute Urlaub individuell guenstig
Last Minute Urlaub ganz individuell und günstig - ein Reise- und Erfahrungsbericht
Aus eigener Erfahrung kann ich am Beispiel eines Italien Urlaubs einmal verdeutlichen, wie man heute im Online-Zeitalter, so durch Europa kommt: Der Entschluss ganz spontan nach Süditalien zu reisen, um einen Kurzurlaub dort zu verbringen, war mir ganz kurzfristig gekommen. Es war Herbst und das Wetter gerade nicht sehr schön in Deutschland. Also ran an den Computer, die Flugpreisdatenbank konsultiert und nach einem Flug gesucht mit Ziel Neapel. Von Neapel aus sind viele Städte und Inseln in Süditalien gut erreichbar. Die Stadt ist so etwas wie ein Drehkreuz für Reisende im Süden des Stiefels. Nach kurzer Zeit hatte ich einen Flug für 48 Euro inkl. aller oftmals versteckten Zusatzkosten gefunden. Ich buchte nur den Hinflug, da ich mir offen halten wollte, wann es zurückgeht.

Ich buchte kein Hotel und keine weiteren Leistungen, um ganz frei entscheiden zu können. Als der Reisetag gekommen war, ging es morgens früh zum Flughafen Köln/Bonn und ab nach Neapel. Nach etwas mehr als 2 Stunden kam ich dort an. Kein Hotel gebucht zu haben erwies sich hier als eindeutiger Vorteil. Kaum hatte ich den Zollbereich des Flughafens verlassen, standen bereits eine Vielzahl von Hotelagenten bereit, die mir ihr Angebot unterbreiten wollten. Ich hielt mich an die alte Globetrotterregel: "Nimm nie den Ersten, der sich dir anbietet - schau mal in die zweite Reihe!"
Hier entschied ich mich für ein Drei-Sterne-Haus, das der Agent für 45 Euro pro Nacht anbot. Nur für zwei Nächte - einfach, sauber, GARNI, also ohne irgendwelche Mahlzeiten. Zugegeben - das Hotel lag nicht besonders reizvoll - unweit des Bahnhofs an einem großen Platz, aber es war sauber, hatte Fernseher, Kühlschrank und einen Safe in jedem Zimmer. Für zwei Nächte als Basis für ausgedehnte Stadttouren genau das Richtige. So war ich frei und konnte die Stadt nun genießen. Einfach mal Neapel anschauen mit seinen historischen Kirchen, der schönen Altstadt dem Palazzo Reale, dem Castel Nuovo, Herkulaneum und natürlich Pompeji. Essen und Trinken in Neapel - kein Problem. 100 m vom Hotel entfernt eine kleine Trattoria - wunderbare Nudelgerichte, Pizza, Rotwein - ein Festmahl für 12 Euro.
Während meiner Tour durch die Altstadt Neapels sah ich am nächsten Tag ein Plakat, das einen Aufenthalt auf den Äolischen Inseln anpries. Die Inseln liegen werden auch Liparische Inseln genannt und liegen im Tyrrhenischen Meer vor der Nordküste Siziliens. Klangvolle Namen wie Lipari, Salina, Vulcano, Stromboli und Panarea machten mir die Entscheidung leicht. Ich las etwas von Jetfoil und Tickets am Hafen und war schon unterwegs. Am Hafen hatte ich schnell den Ticketschalter für das Schnellboot nach Vulcano oder Stromboli gefunden. Vier Stunden sollte die Überfahrt dauern. Und der Fahrplan war dicht genug, um ein Inselhopping in Erwägung zu ziehen. Das war mein Urlaubsziel!!
Wieder fuhr ich ohne eine Unterkunft geplant zu haben, einfach los. Die Überfahrt war problemlos aber die Geschwindigkeit des Schnellboots derart, dass man schon so einige Stöße aushalten muss. Auf Vulcano angekommen setzte ich mich vor die kleine Bar am Hafen und schaute direkt auf den Rauch speienden Vulcano, einen sehr aktiven Vulkan - aber davon wimmelt es auf den Äolischen Inseln nur so. Alle Inseln sind Vulkane, der Stromboli zugleich einer der aktivsten Vulkane der Welt. Er speit andauernd Feuer. Hier bestellte ich einen Cappuccino und fragte die junge Dame, die den Kaffee brachte und die aussah als habe sie nur einen Job angenommen, um ihren Aufenthalt hier zu finanzieren, wo man denn übernachten könne. Sie erklärte mir, dass jetzt, am Ende der Saison, nur noch einige der Pensionen geöffnet hätten und zeigte ich Richtung der Straße, die etwas ansteigend in den kleinen Ort führte. Ich brauchte nicht lange, um 3 Nächte zum Preis von 120 Euro inkl. Zimmerservice auszuhandeln.
Vulcano stand mir offen. Die vulkanischen Schlammbäder, bizarre Felsformationen, eine herrliche Vulkanlandschaft, die ich mit einem Fahrrad erkundete, dass ich mir bei meinem Pensionsbesitzer geliehen hatte. Nicht einfach, körperlich anstrengend, da es sich um kein flaches Areal handelt, aber eben völlig individuell. Mit dem Fahrrad, das sei gleich vorweggesagt, ist es fast nicht möglich die ganze Insel zu erobern, denn manche Gebiete von Vulcano verlangen einfach nach einem Auto. Auch hier war der Pensionsbesitzer sehr hilfreich. Er war bereit mich einen Vormittag mit seinem Wagen durch die Insel zu fahren, um auch an die Stellen zu gelangen, die man besser mit dem Fahrrad meidet. Natürlich bezahlte ich ihm das Benzin!
Nach drei herrlichen Tagen auf Vulcano (strahlender Sonnenschein wirklich rund um die Uhr!!) nahm ich wieder das Schnellboot, diesmal nach Stromboli. Nach zwei Stunden war ich dort, ganz problemlos. Und auch hier war eine Unterkunft schnell gefunden. Nicht mehr ganz so billig wie auf Vulcano, denn Stromboli ist doch schon sehr touristisch, aber immer noch weit unter dem Preis eines Pauschalhotels. Am Ende der Straße quasi an den Flanken des permanent rauchenden und röchelnden Vulkans liegt das alte Observatorium. Hier hat ein findiger Restaurantbesitzer seine Pizzeria mit Vulkanblick eröffnet. Eine Goldgrube ... denn tatsächlich kann man hier beim Essen direkt auf die dauernden Eruptionen des Stromboli blicken. Also ein Tipp für alle, die wie ich, nicht auf den Gipfel des 926 m hohen Feuerbergs steigen möchten. Als "untrainierter Schreibtischtäter" hat man kaum eine Chance … der Aufstieg ist nicht einfach.
Die Pizzeria hatte man mir gleich am Hafen empfohlen, als ich fragte, wie man denn etwas vom Feuer des Stromboli sehen könne, ohne gleich einen Führer mieten zu müssen und den Aufstieg zu absolvieren. Auf der Straße zur Pizzeria allerdings büßt man dann für alle Sünden, die man jemals im seinem Leben begangen hat. Sie ist wirklich ein Alptraum. Eigentlich nur eine unebene Piste.
Man hatte mir gleich mit auf den Weg gegeben noch bei Tageslicht also spätestens um 16 Uhr den Weg zu beginnen, um dann bei Dunkelheit an der Pizzeria zu sein. Auch nach dem Erlebnis einer Pizza im Angesicht eines Feuer speienden Vulkans hat einen die Realität schnell wieder - denn der Rückweg mitten in der Nacht steht an.
Am nächsten Tag sitze ich in der kleinen Bar gegenüber der Kirche St. Vincenzo auf der kleinen Piazza. Schon oft in ihrer Geschichte war die Kirche von den Lavamassen und dem Feuer des Stromboli gefährdet, wurde in Mitleidenschaft gezogen zerstört aber immer wieder aufgebaut. Hier kann man sich einen Führer suchen, wenn man denn auf den Gipfel des Stromboli hinauf will. Individuell sind solche Touren, nach einigen schweren Unfällen in den letzen Jahren, so der Barkeeper, nicht mehr möglich. Man muss einen Führer mieten. Nicht billig, aber die sicherste Methode den nicht ungefährlichen Vulkan zu bezwingen. Der Aufstieg wird nur bei entsprechenden Vulkanaktivitäten und bei trockenem Wetter durchgeführt. Mit Taschenlampe bewaffnet steigt man hinauf. Man sollte schon etwas geübt, trittsicher und schwindelfrei sein, wenn man auf den Stromboli will. Preise muss man mit den Führern aushandlen, obwohl immer mehr die Tendenz zu beobachten ist, feste Preise für die Touren auszuschreiben.
Meine 3 Tage auf Stromboli waren ein Erlebnis der besonderen Art. Neben dem dauernden Geräusch des aufsteigenden Rauchs aus dem Vulkan - man merkt die Erschütterungen auch nachts im Bett - kann man auf der Insel vorbei an herrlichen Vorgärten mit Zitronenbäumen und riesigen Früchten wandern, man kann die beiden Ortschaften, das Dorf Stromboli und San Bartolo mit gleichnamiger Kirche, besuchen, den alten Friedhof sehen und auf verschiedenen Wegen rund um den Sockel des Vulkans gehen.
Der Rückweg von Stromboli nach Neapel und somit zurück zum Flug nach Köln/Bonn gestaltete sich doch etwas schwieriger. Zunächst musste ich einen Computer mit Internetzugang finden. Dann galt es einen Flug zu finden, der zeitnah nach Deutschland ging, günstig war und so lag, dass man möglichst ohne eine weitere Übernachtung in Neapel abfliegen konnte. Und natürlich war auch zu bedenken, dass zuvor 4 Stunden mit dem Schnellboot eingeplant sein mussten.
Das war nicht einfach und gelang erst, nachdem ich noch einen Tag länger auf Stromboli blieb. Mit dem Schnellboot zurück am Mittag. Ankunft in Neapel am späten Nachmittag, direkt zum Flughafen und dann den letzen Flug nach Köln … es ging dann doch noch relativ unproblematisch.
Europa ist ein Kontinent geworden, der aufgrund der guten Reisemöglichkeiten zu jeder Jahreszeit Urlaub ermöglicht. Wie mein Bericht zeigt, ist auch ein Kurzurlaub ganz spontan machbar. Last Minute Urlaub nicht, so wie ihn die Touristikunternehmen anbieten, sondern ganz individuell. Was sich wie ein Gegensatz anhört - ja fast unvereinbar klingt - habe ich einmal selbst praktiziert - eine Individualreise - einen Kurzurlaub mit attraktivem Reiseziel - günstige Preise wie bei einem Last Minute Angebot. Vielleicht versuchen Sie es selbst einmal!
