Der Kontinent Südamerika
Wie alle Kontinente, so ist auch Südamerika ein Bruchstück des alten Urkontinents Gondwanaland. Das Landschaftsbild jedoch dürfte mit dem der Uhrzeit nicht mehr identisch sein, denn nirgendwo sonst auf der Erde war die Landschaft derartig gewaltigen Veränderungen unterworfen wie in Südamerika. Extreme Gegensätze prägen die Geologie des Kontinents. Die Hochgebirgsregionen ragen bis in eine Höhe von über 6000 m auf während ausgediente Tiefländer rund um die Flüsse Orinoco und Amazonas vom größten zusammenhängenden Urwaldgebiet unseres Planeten bedeckt. Der jüngste Teil Südamerikas sind die Anden, die durch ausgeprägtem Vulkanismus entstanden sind und die Westküste des Kontinents vom gesamten Rest dazu abtrennen. Die Andenkordilleren erstrecken sich über eine Gesamtlänge von mehr als 6000 km von Nord nach Süd.
Die geologische Vielfalt Südamerikas sorgte dafür, dass man hier nahezu alle Klimazonen der Erde auf engstem Raume vorfinden kann. Feuchtheiße Regenwaldgebiete im Amazonas mit Temperaturen von über 40° im Schatten und sehr hohe Luftfeuchtigkeit, ausgediente Gebiete der Pampa, lang gestreckte Küstenwüsten in Peru und Chile, die durch das zusammenwirken des Humboldtstroms, einer kalten Meeresströmung, deren Ursprung in der Antarktis liegt, und dem Hochgebirge der Anden entstehen, eine tropische Klimazone im Norden des Kontinents mit erfrischenden Passatwinden am karibischen Meer und schließlich die abweisenden, kalten und windigen Gebiete Feuerlands, die durch das Inlandeis ein Süßwasserreservoir der Erde sind.
Auch kulturell gesehen ist Südamerika ein Schmelztiegel. Hier findet man bis heute Urwaldstämme in den entlegenen Gebieten des Amazonas-Regenwaldes, die kaum oder noch gar keinen Kontakt mit der Außenwelt hatten. In Südamerika sind die Menschen in der Lage selbst in extremen Höhen zu überleben. Bestes Beispiel dafür ist die bolivianische Hauptstadt La Paz, die als die höchst gelegene Millionenstadt der Erde gilt. In der Geschichte des südamerikanischen Kontinent finden wir die Zeugnisse antiker Hochkulturen wie die der Inka oder der Chincorro. Sie wurden durch die Konquistadoren schon früh ausgerottet. Wer Südamerika heutzutage bereist, kann noch viele Sehenswürdigkeiten besuchen, die vom Zusammentreffen der Europäer mit den südamerikanischen Völkern berichten. Zu den bekanntesten Orten, die nicht selten auch Weltkulturerbe der UNESCO sind gehören die Hauptstadt Ecuadors, Quito, die Hauptstadt Perus, Lima, die Stadt Arica im Norden Chiles, die argentinische Hauptstadt Buenos Aires, Rio de Janeiro in Brasilien, Salvador de Bahia mit seinem portugiesischen Goldkirchen, die Urwaldmetropolen Belem und Manaus am Amazonas und schließlich die Städte Caracas und Cartagena im Norden des Kontinents.

An vielen Stellen des Andenmassivs kann der Besucher selbst als nicht geübter Bergsteiger einen guten Eindruck dieses gewaltigen Gebirges bekommen. Bestes Beispiel dafür ist der Lauca Nationalpark im Norden Chiles. Hier kann man mit dem Auto bis auf einem Höhe von rund 4500 m in wenigen Stunden gelangen. Die Transportmöglichkeiten unserer Tage machen es auch möglich die trockenste Wüste der Welt recht einfach zu bereisen, die Atacamawüste. Mit Kreuzfahrtschiffen werden Regionen wie die chilenischen Fjorde, Feuerland mit der Magellanstraße und dem Beagle Kanal, ja selbst die Südspitze des Kontinents, das gefürchtete Kap Hoorn leichter zugänglich als dies in jeder anderen Generation zuvor möglich war. Ausgedehnte Trekkingtouren durch die argentinische Pampa sind ebenso Urlaubsaktivitäten geworden wie eine Fahrt mit dem traditionellen Holzschiffen auf dem Amazonas. Ja selbst mehrtägige Wanderungen durch den Regenwald stellen kein Problem dar. Die zu Südamerika gehörenden Inseln im Karibischen Meer wie die Isla Margherita sind von Touristen überflutet.
Der südamerikanische Kontinent besitzt einige der fruchtbarsten Regionen unseres Planeten. Die Täler Ecuadors gehören zu den Landschaften, in denen Früchte aller Art am besten gedeihen. Länder wie Brasilien gehören zu den größten Kaffeelieferanten der Erde und auch Zuckerrohr und Baumwolle sind bevorzugte Exportgüter der Länder auf dem Kontinent. Die weit verbreiteten Graslandschaften sind geniale Weidegebiete für Rinder, deren Fleischqualität sprichwörtlich ist und die in Argentinien und Brasilien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Fruchtbarer Boden schafft an vielen Stellen auch die besten Voraussetzungen für den Anbau von Weizen, Mais, Hirse, und Soja. Selbst der raue Süden Südamerikas bleibt nicht ungenutzt. Hier wird seit Generationen, nicht zuletzt durch deutsche Einwanderer, die Schafszucht mit viel Erfolg betrieben.
Für Forscher aus aller Welt stellen die Urwaldgebiete Südamerikas, die auch als die grüne Lunge der Erde gelten, ein nahezu unerschöpfliches Reservoir der Artenvielfalt dar. Ein großer Teil aller Spezies in der Tier- und Pflanzenwelt findet man in diesen Regionen rund um die Flüsse Amazonas und Orinoco und noch immer werden jeden Monat Arten entdeckt, die man bisher noch nicht beschrieben hat. Hier in den Regenwaldgebieten Südamerikas entsteht unser Sauerstoff und die Abholzung des Urwalds wird in den kommenden Jahrzehnten zu weiterer Klimaveränderung führen, es sei denn, die Menschheit besinnt sich darauf diese Regionen endlich zu schützen und den Menschen in den Regenwaldgebieten Alternativen zu dieser Vorgehensweise anzubieten.
