Der Kontinent Antarktis
Kein Kontinent ist so kalt, abweisend und menschenfeindlich wie die Antarktis. Die genaue Größe des Festlandes ist bis heute nicht bekannt, da große Teile des Kontinents mit Eis bedeckt sind und die Eismassen über die Küsten des Kontinents hinaus in Ozean hineinreichen. Das macht eine genaue Bestimmung unmöglich. Die Höhenunterschiede sind gewaltig. Der höchste Berg Mount Vision mit 4896 m Höhe steht dem tiefsten Punkt der Antarktis unterhalb des Meeresspiegels gegenüber mit -2555 m. Insgesamt ein Höhenunterschied von fast 7500 m.
Wer die Antarktis besucht, trifft zunächst auf die dem Festland Südamerikas am nächsten liegenden südlichen Shetlandinseln. Hier ist es möglich selbst mit einem Kreuzfahrtschiff sich einen Eindruck von der grandiosen Landschaft dieser antarktischen Inseln zu verschaffen mit Gletschern, gebildeten, dem Schelfeis, den Eisbergen und natürlich dem stürmischen Meer. Die Überfahrt vom Kap Hoorn an die Nordspitze der Antarktischen Halbinsel, die sogenannte Drake Passage ist auch heute noch in der Seefahrt gefürchtet.
Schon der berühmte Seefahrer Kapitän James Cook segelte zwischen 1772 und 1775 entlang der antarktischen Küste. Die Terra australis, jener sagenumwobene Kontinent, war zwar bereits früh auf Seekarten eingezeichnet, was man damals wusste, basierte aber auf Vermutungen. Im 19. Jahrhundert gab es dann viele Seekapitäne und Militärschiffe, die versuchten, die Antarktis zu erreichen und zu betreten, was erst am 7.2.1821 gelang. Am 14. Dezember 1911 erreichte die Expedition unter Roald Amundsen, dank der besseren Ausrüstung, als Erste den Südpol - ein Monat vor dem Mitkonkurrenten Robert Scott.
Die Antarktis hat keine Bevölkerung, die hier ständig leben würde. Dieses Land und die vielen Streuinseln gehören der Forschung. Man könnte die Antarktis als ein riesiges Freiluftlabor am Ende der Welt, nahe dem Südpol bezeichnen. Zahlreiche Nationen unterhalten Forschungsstation rings um die Antarktis und auf ihren Festland. So leben im Sommerhalbjahr ca. 4000, im Winterhalbjahr rund 1000 Menschen hier. Temperaturen von bis zu -60° können hier im Winter gemessen werden und die Naturschauspiele des Polarlichts oder der Mitternachtssonne gehören zu den beeindruckenden auf der ganzen Erde.
Die Flora und Fauna der Antarktis ist vielfältiger, als man das auf den ersten Blick vermuten könnte. Viele Tiere ja sogar Pflanzen haben sich den extremen Lebensbedingungen im Laufe der Jahrtausende angepasst. Ein riesiges und noch funktionierendes Ökosystem ist entstanden. Pinguine, Albatros, Sturmvögel, Robben und riesige Wale sind nur einige der Tiere, die einem während eines Antarktisbesuchs begegnen können. Nicht wenige der Tierarten sind endemisch d. h. sie leben nur hier in den eisigen Breiten rund um den Südpol. Das bekannteste Tier der Antarktis ist jedoch der Pinguin. Pinguine kommen in freier Natur nur auf der südlichen Halbkugel vor. Insgesamt zählten wir 18 Arten und weitere Unterarten. Selbst bei einem Besuch der antarktischen Inseln kann man bereits riesige Pinguinkolonien bewundern und ebenso auf der Antarktischen Halbinsel. Zu den tierreichsten Inseln, die zu Antarktis gerechnet werden, gehören Südgeorgien, die Ross- Insel und die südlichen Orkneyinseln.
Die weitaus bekanntesten Postkartenmotive sind jedoch die riesigen Eisberge, die regelmäßig vom Schelfeis abbrechen und dann ihren Weg Richtung Norden fortsetzen.
Erdgeschichtlich gesehen, gehörte die Antarktis einst zum GroßKontinent Gondwana und lag in tropischen Regionen. Nach dem Auseinanderbrechen des Urkontinents begann sich die heutige Antarktis Richtung Süden zu bewegen, sodass für rund 30 Millionen Jahren erste Eisvorkommen auftraten. Erst seit etwa 5 Millionen Jahren ist die Antarktis vollständig mit Eis bedeckt und das Klima das extremste auf unserem Planeten. Dennoch ist der Kontinent für die Menschheit von unschätzbarem Wert, zum einen, weil man hier noch vieles über den Ursprung der Erde und des menschlichen Lebens auf dem Planeten finden wird, zum anderen weil sich hier 75 % der Süßwasserreserven auf der ganzen Welt befinden.
Diese Bedeutung trägt der Antarktisvertrag aus dem Jahre 1959 Rechnung, der die Antarktis von militärischer Nutzung und Ausbeutung freigestellt und allen den Zugang zu Forschungszwecken gestattet. Im Bereich des antarktischen Kontinents werden riesige Vorkommen von Bodenschätzen vermutet oder sind bereits belegt. Der Abbau dieser Bodenschätze ist durch den Antarktisvertrag noch mindestens bis 2041 untersagt.
