Kathedrale in Sevilla
Die Kathedrale in Sevilla (Spanien)
Die Kathedrale von Sevilla gehört zweifelsohne zu den größten architektonischen Meisterleistungen auf dem europäischen Kontinent. Zugleich ist die die flächenmässig größte Kathedrale der Welt, wenn auch nicht die größte Kirche der Erde. Den Almohaden, die einst aus Nordafrika kommend, Spanien erobert hatten, ist dieses Bauwerk zu verdanken, denn sie errichteten eine gewaltige Moschee, deren Ausmaße sich beim Blick auf die heutige Kathedrale erahnen lassen. Das Gotteshaus ist 126,18 m lang, 82,60 m breit und an der höchsten Stelle 30,48 m hoch. Als Ferdinand III., den man auch den Heiligen nennt am 23. November 1248 die Stadt Sevilla von den Mauren zurückeroberte zog auch das Christentum mit ihm in die altehrwürdigen Mauern ein und die ehemalige Hauptmosche wurde jetzt zur Kathedrale. Augenscheinlich blieben in der Gesamtanlage deutlich sichtbar, der Orangenhof, der zur Zeit der Araber der Innenhof der Waschungen gewesen war und die Giralda, der heutige Turm der Kathedrale, der aus dem Minarett der Moschee entstanden ist.
Insgesamt lassen sich in der Architektur Kathedrale von Sevilla sieben Baustile nachweisen: der Stil der Almohaden, Gotik, Spätgotik, Renaissance mit platereskem Stil, die Renaissance mit Manierismus, Barock und Neugotik. Natürlich spiegeln die Kirche und der gesamte Komplex heute all die Veränderungen und Zerstörungen wider, die Jahrhunderte hinterlassen haben. Auslöser für massive Veränderungen an der Architektur der Mauren waren die Erdbeben, die 1356 und 1395 die Stadt erschütterten und das Gotteshaus schwer beschädigten.
Wer bei einem Besuch in Sevilla durch den Innenraum der Kirche geht fängt an zu glauben, was der Volksmund über den Entschluss mitteilt, der zum Bau der Kathedrale so wie wir sie kennen, geführt haben soll. Das Domkapital soll, so die Legende, zu Beginn des 15. Jhs. beschlossen haben eine Kirche zu bauen bei deren Anblick man die Domherren für wahnsinnig halten wird, die das geplant und in Auftrag gegeben haben. Es existiert ein Grundstein, der 1403 durch Erzbischof Alonso de Egea geweiht wurde, so dass der Baubeginn für diesen Zeitraum gesichert erscheint. Da das gewaltige Bauwerk inmitten der Altstadt liegt und von großen Gebäuden wie dem erzbischöflichen Palast und dem Alcazar umgeben ist, hat der Besucher, vor allem wenn es darum geht, einen größeren Teil des Äußeren zu fotografieren, Schwierigkeiten das gewünschte Motiv zu ergattern. Den schönsten Blick, der zugleich auf zahllosen Postkarten verewigt ist, hat man vom Plaza de los Reyes. Hier lässt sich die Giralada am besten fotografieren. Ebenso interessant sind die Plaza del Triunfo, die Avenida de la Constitucion und die Calle Alemanes. Aus den Blickwinkeln, die man aus diesen Straßen erhält lassen sich Teile der Kirche und Details aufnehmen und besichtigen. Der Bau der Kathedrale begann nicht, wie sonst üblich, mit der Apsis d.h. mit dem gen Osten ausgerichteten Abschluss der Kirche sondern mit der Westfassade. Hier finden sich drei Tore, das Portal der Taufe, das Portal von Maria Himmelfahrt und das Geburtsportal. Sie lassen bereits die Größe des Innenraums erahnen.
Der Innenraum ist in fünf Schiffe unterteilt, die "Naves" genannt werden. Im Norden die "Nave Evangelio" und die "Nave San Pedro". Im Zentrum des Raumes die "Nave Principia", im Süden die "Nave San Pablo" und die "Nave de la Epistola". Insgesamt tragen sechs und 36 rautenförmige Säulen den Raum, der aus insgesamt 68 Gewölben besteht. Rund 100 Jahre dauerten die Bauarbeiten, denn erst am 11. Mai 1507 die Kathedrale geweiht. 10 Baumeister haben an der Kathedrale gearbeitet und sie zu einem Gesamtkunstwerk werden lassen. Von Westen her richtet sich der Blick nun in das Langhaus, in dessen Mitte sich der Chorraum befindet, im spanischen "Trascoro" genannt. Der Chorraum, über dem sich auf beiden Seiten auch die Doppelorgel befindet, ist das Herzstück des Langhauses. Dahinter öffnet sich der Altarraum um das große Retabel. Dieser Bereich wird durch das kunstvoll geschmiedete Gitter vom übrigen Raum abgetrennt. Es entstand in der Werkstatt von Fray Francisco de Salamanca zwischen 1518 und 1529.
Egal wohin der Blick innerhalb der großen Kathedrale von Sevilla gerade schweift, was immer das Auge gerade sieht, es ist kunstvoll, wertvoll und zum Teil einzigartig. Nicht umsonst wird die Kathedrale auch als Schatzkammer Spaniens bezeichnet. Wenn der Besucher durch eines der großen Kirchenschiffe, vorbei am Chorraum im Süden gegangen ist, erreicht er die Puerta Principe. Sie ist meist geöffnet und helles Tageslicht scheint grell in den halb dunklen Kirchenraum. Dieses Licht lässt das Hochgrab, das sich direkt hinter diesem Portal befindet meist nur wie eine Silhouette erscheinen und das Auge muss sich zunächst an diesen Eindruck gewöhnen. Wer näher kommt erkennt vier lebensgroße Figuren, die einen Sarkophag tragen. Die Figuren stellen vier Herolde dar, die die Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra symbolisieren. Hier ist der berühmte Seefahrer Christoph Kolumbus beigesetzt, so erfahren die Besucher bei den Kirchenführungen regelmäßig.
Ob der Entdecker allerdings wirklich in dem Sarkophag liegt, ist bis heute nicht eindeutig bewiesen, denn auch neueste DNA-Untersuchungen konnten diesen Sachverhalt nicht abschließend klären. So handelt es sich bei der Grabstätte um eine von drei weltweit bekannten Gräbern von Christoph Kolumbus. Die beiden anderen befinden sich in der Kathedrale von Havanna auf Kuba und in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Die sterblichen Überreste des Seefahrers haben eine Odyssee hinter sich. Als Kolumbus im Jahre 1506 im spanischen Valladolid starb, machte man seinen Leichnam in der Folgezeit nach Sevilla. Von dort wurde er 1596 nach Santo Domingo überführt und gelangte schließlich am Ende des 19. Jahrhunderts in die Kathedrale von Havanna auf Kuba. 1898 schließlich wurde Kolumbus wieder nach Sevilla gebracht. Während all der Reisen dürfte der Leichnam nicht unversehrt geblieben sein, so dass es heute schwierig ist herauszufinden, ob die sterblichen Überreste, die sich im Sarkophag in der Kathedrale von Sevilla befinden, tatsächlich die von Kolumbus sind.
Das Herzstück der Kathedrale ist das Retabel. Mit einer Höhe von 20 m und einer Breite von 18 m handelt es sich um den höchsten Altaraufsatz der Christenheit und ein Meisterwerk der Kunst in Europa. Insgesamt 28 Abschnitte fassen das Leben Christi zusammen. Dazu sind 189 Skulpturen geschaffen worden. An den Seiten wird das Kabel durch die Figuren der 12 Apostel begrenzt, den Abschluss nach oben hin setzt die Figur, die im Volksmund "Christus der Millionen" genannt wird - so viele Sünden soll er bereits vergeben haben. Besonders schön gearbeitet ist auch das große Tabernakel aus Silber. Es entstand in den Werkstätten von Franzisco de Alfaro zwischen 1593 um 1596. Das Retabel ist deutlich älter. 1482 war es Pyeter Dancart aus Flamen, der den Entwurf schuf dafür ausgewählte Hölzer verwendete. Somit ist das Kunstwerk aus gotischer Zeit, wenn auch die Arbeiten bis 1564 dauerten. Mittlerweile ist das Retabel gereinigt und restauriert und erstrahlt in gewohnter Pracht.
Der Besucher muss sich nun einmal umdrehen, um den prachtvollen Chorraum auch von dieser Seite zu bewundern. Er ist durch ein Gitter vom übrigen Raum getrennt, das Fray Francisco de Salamanca zwischen 1518 1523 geschaffen hat. Der Chor ist 20 x 14 m groß und besitzt ein wertvolles Chorgestühl aus Ebenholz, das in gotischem Olivares Diehl entstanden ist. Insgesamt sind es 117 Stühle, einer davon für den König. Das Rollstühlen war 1478 fertig gestellt und noch heute lesen wir über den Künstler, der dieses Werk vollbrachte in der Inschrift des königlichen Stuhls: "diesen Schuf Nufru Sanchez, Bildschnitzer, den Gott fand...“ Wie in jedem spanischen Coro befindet sich auch in Sevilla ein riesiges Korb brüllt in der Mitte. Es ist eine Arbeit von gleich drei Bildhauern: Juan Martin Bautista Vázquez und Francisco Hernandez aus den Jahren 1562-1565. Besonders schön ist der kleine, von vier Säulen getragene Baldachin oberhalb des eigentlichen Pultes. Hier befindet sich eine Madonnenstatue mit Kind von Bautista Vazquez.
Nicht nur für Organisten aus aller Welt sondern auch für Musik interessierte Touristen sind die beiden Orgeln der Kathedrale von Sevilla interessant. Für die einen mehr als Blickfang, für die anderen Musikalisch-beruflichen Interesse. Es handelt sich um eine, in Spanien typische, Doppelorgeln (Epistel/Evangelien-Orgel). Während die Orgel Gehäuse im 18. Jahrhundert nach Entwürfen von Luis Vilches gefertigt wurden, ist das Orgelwerk im Inneren der Orgel Gehäuse in der romantischen Epoche zwischen 1901 und 1903 entstanden. Leider wurde die Orgel 1973 elektrifiziert. Dieser zwar den Vorteil, dass man beide Orgelseiten von einem zentralen Spieltisch im Chorraum aus spielen kann, die Ästhetik zweier mechanischer Orgeln, wie sie in der Zeit des 18. Jahrhunderts üblich waren, ging damit aber verloren. Keineswegs nur der Kathedralraum sondern auch die umliegenden Räume sind sehenswert, dazu zählen zahlreiche Kapellen, die Hauptsakristei der Kathedrale, die Durchgangshalle zum Kapitelsaal (Antecabildo), der Kapitelsaal und nicht zuletzt die prachtvolle Capilla Real.
Das unbestrittene Wahrzeichen Sevillas ist die Giralda. Der Turm wird nach neuesten Messungen heute mit einer Höhe von 101,29 m angegeben und war einst das Minarett der maurischen Hauptmoschee. Mit dem Bau begann Ahmed Ibn Baso 1184. Die Arbeiten dauerten bis 1198, als All de Gomara letzter Hand an das Meisterwerk legte. Das Erdbeben von 1356 beschädigte den Glockenturm massiv, so dass man in der Folgezeit einen relativ einfachen Glockenturm auf den Baukörper aussetzte. Nach einem Entwurf von Hernan Ruiz entstand zwischen 1558 und 1568 die heutige Turmspitze im Stil der Renaissance, so dass sich seither in der Giralda die architektonischen Stile der Mauren und der Christen begegnen. Interessant ist der Umstand, dass die Bausubstanz, die aus der Zeit der Almohaden stammt, original erhalten ist.
Die Turmspitze besteht aus vier deutlich sichtbaren Teilen beginnend mit dem Glockenstuhl, in dem insgesamt 24 Glocken hängen. Darüber befindet sich der Uhr-Körper aus dem Jahre 1765. Jener Bereich, mit der auffallenden Dekorationen, die Sternen ähnelt, wird Sternkörper genannt. Darüber beschließt der Körper der "Carambolas" die Giralada. Der Name rührt von den Kugeln des zuvor genannten Bereichs her, auf denen er errichtet ist. Den Abschluss bildet eine Gruppe, die Tinaja heißt und auf die er sich die Wetterfahne befindet, der so genannte "Giraldillo". Der Turm ist selbst dann noch zu sehen, wenn man Sevilla längst verlassen hat, was ihn zu einem der Wahrzeichen der Stadt und ganz Spaniens machte.
Die Kathedrale von Sevilla gehört sicher zu den größten und schönsten Gotteshäusern der Welt, aber sie ist auch ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen, eine Schatzkammer abendländischer Morgen lettischer Kunst und noch heute, wie sie es immer war ein Treffpunkt der Menschen von allen Kontinenten.
---- > Hier: Daten und Fakten zu Spanien < ----
---- > Flagge, Landkarte, Nationalhymne, Klima < ----









