Finnland
Finnland - Das Land der tausend Seen
In unseren Tagen verbinden wir den Namen Finnland meist mit Begriffen aus der Wirtschaft, anlässlich der PISA-Studie mit einem gut funktionierenden Schul- und Kindergartensystem und mit einigen weltweit bekannten Markennamen wie Nokia.
Obwohl das Land über Jahrhunderte hinweg von den benachbarten Großmächten Russland und Schweden regiert und bestimmt wurde, gelang es den Finnen doch seit ihrer Unabhängigkeit im Jahre 1917 von Russland, ihre eigene Identität wieder zu finden und die Sprache und Kultur zu pflegen. Besonders in der Sprache unterscheiden sich die Finnen deutlich von den skandinavischen Ländern. Seitdem Helsinki der Tagungsort der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) war, steht das Land auch politisch immer wieder im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit.
Die frühe Geschichte Finnlands liegt im Dunkeln. Aus dem Osten kamen wohl vor einigen 1000 Jahren die Vorfahren der heutigen Finnen, Ziel ist über ihre Kultur und Lebensweise damals nicht bekannt, die Sprachforscher können anhand der Sprache allerdings Ursprünge in der Wolgaregion und dem Ural vermuten.
In Kontakt mit der abendländischen Lebensweise kamen die Finnen erstmals durch christliche Missionare, die im 11. Jahrhundert und den Jahrhunderten davor durch ganz Nordeuropa zogen und von Schweden aus ins heutige Finnland kamen. Dem Land gegenüber liegt das mächtige Russland. Auch von hier kamen griechisch orthodoxer Missionare maßgeblich von Nowgorod in die Region und hinterließen ihren Glauben im Osten des Landes. Finnland kam im 13. Jahrhundert unter die Herrschaft der Schweden. Die Expansionspolitik Schwedens führte zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland, die letztlich dazu führten das Schweden seine Ansprüche auf Finnland aufgeben musste.
1808 besetzten russische Truppen auf Befehl Zar Alexanders I. das heutige Finnland, was fortan als Großfürstentum unter dem Machteinfluss Russlands stand. Offensichtlich war es die Oktoberrevolution, die Finnland es ermöglichte, sich von Russland zu lösen. 1919 wurde eine Verfassung verabschiedet, die die Grundlage des demokratischen Staatswesens in Finnland war. Den Wirren des Zweiten Weltkrieges verlor Finnland einige Gebiete, vereinbarte aber mit der damaligen Sowjetunion einen Waffenstillstand, worauf deutsche Truppen während ihres Rückzugs aus Finnland massive Zerstörung hinterließen.
Juristischer Hinsicht hat Finnland viel zu bieten. Es wird auch das "Land der 1000 Seen" genannt. Diese Zahl ist eine maßlose Untertreibung, wenn grob geschätzt verfügt Finnland über 55.000 Seen. Die finnische Seenplatte macht den Reiz einer Reise durch dieses naturverbundene Land aus, das über alle Spuren der letzten Eiszeit aufzuweisen hat. Ein massives Steinfundament wird fast überall mit einer mächtigen Schicht Eis zeitlicher Ablagerungen überdeckt. Weitere Anzeichen für das Einwirken unvorstellbarer Eismassen ist die Schärenbildung entlang der Südküste Finnlands. Auch die Seenlandschaften verdankt ihre Entstehung den Eiszeiten. Das Eis formte förmlich die Landschaft hinterließ tiefe Einschnitte und Hohlformen in der Landschaft, in denen sich Schmelzwasser sammeln konnte. Durch das Abschmelzen dieser Eismassen entstand ein riesiger Schmelzwasser-Stausee, die die Wissenschaftler heute als den Ursprung der Ostsee ansehen.
Das Klima des Landes, kurz zusammenfassen: kurze Sommer - lange Winter. Die Temperaturen vor allen Dingen im Nordfinnland können deutlich unter -30° in den Wintermonaten liegen. Die Ostsee als Binnenmeer friert somit regelmäßig zu und Finnland war seit jeher gezwungen, auch in diesen Monaten die Einschränkung für die lebenswichtige Schifffahrt so gering wie möglich zu halten. So ist es nicht verwunderlich, dass eine der größten Industrien des Landes mit der Produktion von Eisbrechern beschäftigt ist, die weltweit als die besten Schiffe dieser Art gelten.
Für uns Deutsche ist ein Besuch in Helsinki etwas besonders. Nachdem die russischen Herrscher die alte Hauptstadt Turku zugunsten von Helsinki aufgegeben hatten, kam es nach 1812 zu einer umfassenden Neuplanung und einem Neubau, der in Deutschland geborene Architekt Carl Ludwig Engel erhielt den Auftrag und schuf eine einzigartige Kombination von Neoklassik und preußischer Architektur. Zwar lassen sich die Kuppeln des lutherischen Doms und der orthodoxen Uspenski Kathedrale auf russische Einflüsse zurückführen, aber die geradlinige und klar gegliederte Bauweise ohne den Überschwang des Barock, gelten als einzigartig in Europa. Helsinki macht einen großzügigen Eindruck. Grüne Parks, breite Straßen, eine ausgediente Hafenzone und nicht zuletzt die zahllosen Schäreninseln, die heute als Wochenenddomizile der wohlhabenden Bewohner genutzt werden, haben den Ruf von Helsinki als eine der schönsten Hauptstädte Europas begründet.
Heute kann Finnland im Hinblick auf Sozialfürsorge, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen seinen Bürgern ein sehr hohes Leistungsniveau bieten der Lebensstandard ist eine der höchsten in Europa.
