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Bolivien – Land auf dem Dach der Anden

Der Andenstaat Bolivien grenzt im Norden und Osten an Brasilien, im Südosten an Paraguay, im Süden an Argentinien, im Westen an Chile und Peru. Das Land ist durch seine einmalige Berglandschaften in den Anden und das Altiplano bekannt, jene Hochebene, die bis in eine Höhe von 4000 m aufsteigt und sich über eine Fläche von 170 000 qkm erstreckt. Hier liegt der höchste Hochgebirgssee der Erde, der Titicacasee. Selbst La Paz, die Stadt, in dem die Regierung ihren Sitz hat, liegt noch auf 3600 m Höhe. Reisen in Bolivien ist etwas für gut trainierte, für Menschen, die mit der extrem dünnen und auf dem Altiplano auch sehr kalten Luft zurecht kommen. Die höchsten Andengipfel Boliviens erreichen 6438 m im Bereich der beiden Hauptketten. Im östlichen Teil des landes entspringt der Amazonas, der dann seine 6000 km lange Reise durch den südamerikanischen Kontinent antritt. Es folgt das Bolivianische Bergland und das östliche Tiefland mit feuchtheissem Tropenklima.

Die Bevölkerung Boliviens besteht zur Hälfte aus Ketschua und Aimara, indigene Bevölkerung, die das Quetchua oder Aimara sprechen, in Bolivien rund 50% der Gesamtbevölkerung. Rund 30% sind Mestitzen sogenannte Cholos, die zwar immer noch in der Tradition ihrer Volkgruppe stehen, viele Gebräuche praktizieren, aber dennoch in einem städtischen Umfeld leben. 15% sind Weiße meist spanischer Herkunft und 3% gehören der schwarzen Minderheit im Land an. In Bolivien leben vier Fünftel der Gesamtbevölkerung in extremen Höhen über 3000 m.



Bolivien ist kein armes Land. Unterschiedlichste Bodenschätze und Erzvorkommen im Altiplano wie Zinn, Kupfer, Antimon, Gold- und Silbererz, Wolfram und Blei, die Wasserkraft und grosse Erdöl- und Erdgasvorkommen sichern die Einnahme von Devisen. Dennoch sind weite Teile der Bevölkerung arm oder ernähren sich durch Landwirtschaft, die aber auf Grund der extremen Höhen im Land und die entsprechenden klimatischen Bedingungen oder die Beschaffenheit der Böden, nur wenig effektiv ist. Illegaler Anbau von Koka griff im letzten Jahrzehnt immer mehr um sich und wird seit einigen Jahren von der Regierung massiv bekämpft.

Vor der Ankunft der Spanier 1538 gehörte das heutige Bolivien zum Inkareich. Danach waren die Silbervorkommen des Landes die Haupteinnahmequelle der Spanier, was zur Folge hatte, dass das Land systematisch ausgebeutet wurde. Der Kampf um die Unabhängigkeit begann 1809, aber Bolivien blieb spanische Kolonie, bis es 1825 von Simón Bolívar befreit und später nach ihm benannt wurde. Ruhe kehrte in Bolivien aber auch jetzt nicht ein. Es nahm an der Seite Perus am Salpeterkrieg, führte in den 30er Jahren des 20. Jhs. Den Chacokrieg gegen Paraquay und verlor in beiden Kriegen den Zugang zum Meer durch den Verlust von Antofagasta an Chile und doe Provinz Acre an Brasilien. Unruhen der Landbevölkerung, Militärputsche, Guerilla-Krieg folgten oftmals dich hintereinander bis 1982 der Kandidat der gemässigten Linken im Land sein Amt als Präsident antreten konnte. Die Präsidenten wechselten in den darauf folgenden Jahren rasch, einige davon beühmt wirklich die Probleme des Landes anzugehen und einer Lösung näher zu bringen, doch bisher ist dieses Vorhaben nicht durchgreifend gelungen.



Die Verfassung bestimmt die Lehre der Römisch-Katholischen Kirche als Staatsreligion, gewährt den Bürgern aber Religionsfreiheit. In jüngster Vergangenheit liefen die Vorbereitungen für die Einführung einer neuen Verfassung, die der indigenen Bevölkerungsmehrheit mehr Rechte einräumen soll. Die Katholische Religion würde ihren Status als Staatsreligion verlieren. Befürworter und Gegner dieser neuen Verfassung lieferten sich bis zum Abstimmungstag, an dem die Verfassung mit einer klaren Mehrheit vom Volk angenommen wurde, öffentliche Diskussionen und Auseinandersetzungen.